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Änderungen bei Midijobs: Neue Grenzen für den Übergangsbereich

Mit der Erhöhung der Minijob-Grenze ab dem 1. Oktober 2022 wird auch die Verdienstgrenze für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Übergangsbereich erhöht. Künftig liegt ein Midijob vor, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer regelmäßig im Monat mehr als 520 Euro und maximal 1.600 Euro verdienen. Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum neuen Übergangsbereich wissen sollten, erklären wir in diesem Beitrag.

Anhebung der Grenzen für eine Beschäftigung im Übergangsbereich

Mit der Erhöhung der Minijob-Grenze steigt automatisch auch die untere Grenze für eine Beschäftigung im Übergangsbereich. Bis zum 30. September 2022 liegt die untere Grenze bei 450,01 Euro. Ab dem 1. Oktober liegt sie entsprechend der neuen Minijob-Grenze bei 520,01 Euro.

Auch die obere Grenze für eine Beschäftigung im Übergangsbereich wird erhöht. Bis zum 30. September 2022 liegt diese bei 1.300 Euro. Ab dem 1. Oktober können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Übergangsbereich maximal 1.600 Euro verdienen. Am 1. Januar 2023 steigt die obere Grenze dann noch einmal auf 2.000 Euro.

Vorteile eines Midijobs

Midijobber und Midijobberinnen sind sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Im Unterschied zu Arbeitnehmern, die mehr als 1.600 Euro verdienen, zahlen Midijobber weniger Beiträge zur Sozialversicherung. Trotz der geringeren Beiträge zur Sozialversicherung, können Midijobber und Midijobberinnen die vollen Leistungen der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Auch die reduzierten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung wirken sich nicht nachteilig auf die Rentenansprüche der Midijobber aus. Denn dem Rentenkonto wird der tatsächliche Verdienst aus dem Midijob gutgeschrieben.

Änderung bei der Beitragstragung ab dem 1. Oktober 2022

Ab dem 1. Oktober ändert sich die Beitragstragung im Midijob. Midijobber und Midijobberinnen profitieren davon, dass der Belastungssprung beim Übergang vom Minijob in einen Midijob geglättet wird. Dadurch soll der Anreiz für Minijobber und Minijobberinnen erhöht werden, ihre Arbeitszeit über die Minijob-Grenze hinaus auszuweiten.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber werden im neuen unteren Übergangsbereich stärker belastet als bisher. Im unteren Übergangsbereich (ab 520,01 Euro) liegt der Beitragsanteil des Arbeitgebers bei ca. 28 Prozent. Dies entspricht den für einen Minijob zu leistenden Pauschalbeiträgen in Höhe von 28 Prozent. Bis zur oberen Grenze des Übergangsbereichs wird der Beitragsanteil auf den regulären Sozialversicherungsbeitrag von knapp 20 Prozent abgeschmolzen.

Berechnung der Sozialabgaben im Übergangsbereich

Grundlage für die Berechnung der Sozialabgaben ist nicht der tatsächliche Verdienst, sondern zwei fiktive beitragspflichtige Einnahmen, die jeweils nach einer bestimmten Formel ermittelt werden. Die Berechnung der Beiträge im Übergangsbereich wird ab dem 1. Oktober 2022 für jeden einzelnen Versicherungszweig in drei Schritten vorgenommen:

Schritt 1: Berechnung des Gesamtbeitrages (Arbeitgeber + Arbeitnehmer) ausgehend von einer fiktiven beitragspflichtigen Einnahme

Schritt 2: Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitnehmers ausgehend von einer gesonderten fiktiven beitragspflichtigen Einnahme

Schritt 3: Berechnung des Beitragsanteils des Arbeitgebers durch Abzug des Beitragsanteils des Arbeitnehmers vom Gesamtbeitrag

Für die Berechnung der Sozialabgaben im neuen Übergangsbereich können Sie den Midijob-Rechner nutzen.

Beispiel – Beschäftigung im Übergangsbereich mit einem monatlichen Verdienst von 521 Euro

Bei einem Verdienst in Höhe von 521 Euro beträgt die beitragspflichtige Einnahme für die Berechnung des Gesamtbetrages 365,61 Euro und die beitragspflichtige Einnahme für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils 1,48 Euro. Die beitragspflichtigen Einnahmen können Sie ebenfalls mit dem Midijob-Rechner ermitteln.

Die Beiträge werden wie folgt ermittelt:

Krankenversicherung

Gesamtbeitrag: 365,61 Euro x 7,3% x 2 = 53,38 Euro

Midijobber: 1,48 Euro x 7,3% = 0,11 Euro

Arbeitgeber: 53,38 Euro – 0,11 Euro = 53,27 Euro

Zusatzbeitrag Krankenversicherung (die Krankenkasse erhebt den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,3%)

Gesamtbeitrag: 365,61 Euro x 0,65% x 2 = 4,76 Euro

Midijobber: 1,48 Euro x 0,65% = 0,01 Euro

Arbeitgeber: 4,76 Euro – 0,01 Euro = 4,75 Euro

Pflegeversicherung*

Gesamtbeitrag: 365,61 Euro x 1,525% x 2 = 11,16 Euro

Midijobber: 1,48 Euro x 1,525% = 0,02 Euro

Arbeitgeber:11,16 Euro – 0,02 Euro = 11,14 Euro

Rentenversicherung

Gesamtbeitrag: 365,61 Euro x 9,3% x 2 = 68,00 Euro

Midijobber: 1,48 Euro x 9,3% = 0,14 Euro

Arbeitgeber: 68,00 Euro – 0,14 Euro = 67,86 Euro

Arbeitslosenversicherung

Gesamtbeitrag: 365,61 Euro x 1,2% x 2 = 8,78 Euro

Midijobber: 1,48 Euro x 1,2% = 0,02 Euro

Arbeitgeber: 8,78 Euro -0,02 Euro = 8,76 Euro

Gesamtbeitrag: 146,08 Euro

Gesamtbeitrag Midijobber: 0,30 Euro

Gesamtbeitrag Arbeitgeber: 145,78 Euro

*) kein Beitragszuschlag in der Pflegeversicherung wegen Kinderlosigkeit. Im Freistaat Sachsen gilt in der Pflegeversicherung eine andere Beitragslastverteilung.

Vergleich der Sozialabgaben im Midijob und Minijob

Bei einem Minijob zahlen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zur Sozialversicherung nur Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung. Minijobberinnen und Minijobber zahlen lediglich einen geringen Beitragsanteil zur Rentenversicherung. Sie haben auch die Möglichkeit, sich von der Rentenversicherungspflicht zu befreien und so gar keinen Beitrag zur Sozialversicherung zu zahlen.

Für den Minijob-Arbeitgeber fallen darüber hinaus weitere Abgaben an (Umlage 1, Umlage 2 und Insolvenzgeldumlage, die auch für Midijobs zu zahlen sind, sowie die Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent). Die Abgaben für einen Minijob können Sie ganz einfach mit unserem Minijob-Rechner berechnen.

Beispiel – Minijob mit einem monatlichen Verdienst von 520 Euro

Folgende Sozialabgaben fallen an:

Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung

Arbeitgeber: 520 Euro x 13% = 67,60 Euro

Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung

Arbeitgeber: 520 Euro x 15% = 78,00 Euro

Rentenversicherungsbeitrag bei Versicherungspflicht

Arbeitnehmer: 520 Euro x 3,6% = 18,72 Euro

Gesamtbeitrag Arbeitgeber (nur Beiträge zur Sozialversicherung) = 145,60 Euro

Gesamtbeitrag Arbeitnehmer: 18,72 Euro

Für den Arbeitgeber sind die Sozialabgaben bei einem Minijob mit einem monatlichen Verdienst von 520 Euro im Vergleich zu einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer mit einem Verdienst von 521 Euro nur um wenige Cent geringer (145,60 Euro bzw. 145,78 Euro).

Minijobber und Minijobberinnen mit einem Verdienst von 520 Euro, zahlen 18,72 Euro zur Rentenversicherung. Wenn sie sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, zahlen sie gar keine Beiträge zur Sozialversicherung.

Bei einem monatlichen Verdienst von 521 Euro zahlen sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Übergangsbereich 0,31 Euro an Sozialabgaben. Trotz der geringen Beiträge können Midijobber die vollen Leistungen der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung in Anspruch nehmen.

Arbeitnehmer zahlen Steuern entsprechend ihrer Steuerklasse

Unser Vergleich von Midijobs und Minijobs bezieht sich nur auf die Sozialabgaben. Bei Midijobbern kommen noch Steuern nach der individuellen Steuerklasse hinzu. Bei Minijobs übernimmt in der Regel der Arbeitgeber die Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent. Aber auch hier können sich Arbeitgeber für eine individuelle Besteuerung nach der Lohnsteuerklasse des Minijobbers entscheiden.

Wo erhalten Sie mehr Informationen zu Midijobs?

Ausführliche Informationen zur Berechnung der Beiträge im Übergangsbereich und zu den Meldungen finden Sie im Rundschreiben zum Übergangsbereich.

Auskünfte zu allen Fragen rund um das Thema Midijobs erteilen die Krankenkassen als zuständige Einzugsstellen.

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Timm Lau
TL
Timm Lau

Welche Möglichkeiten haben Midijobber, die wegen der Änderung der Einkommensgrenzen auf einmal im Minijobbereich landen? Mir scheint, der Gesetzgeber hatte nicht auf dem Schirm, dass auch bei Midijobs nicht immer nur ein Mindestlohn gezahlt wird und dass jetzt einige Arbeitnehmer, die zwischen 450 und 520 Euro Einkommen erzielen, vom Verlust des Sozialversicherungsschutzes bedroht sind…

Alfonso Marke
AM
Alfonso Marke

Hat sich erledigt Danke

Ingeborg Huber
IH
Ingeborg Huber

Hallo Zusammen,
ich habe folgenden Sachverhalt:
Ein Arbeitnehmer ist beim Arbeitgeber A als Minijobber beschäftigt und verdient dort 450 € (auch nach dem 30.09.2022)
Des Weiteren ist er beim Arbeitgeber B als Midjobber beschäftigt und verdient dort 500 € (auch nach dem 30.09.2022).
Ab dem 01.10.2022 gilt für ihn beim Arbeitgeber B die Bestandsschutzregelung, wonach er in der Rentenversicherung wie ein Minijobber zu behandeln/abzurechnen ist.
Die Fragen lauten:
Gilt die Beschäftigung beim Arbeitgeber B trotzdem als sv-pflichtige Hauptbeschäftigung, neben der ein Minijob zulässig ist, oder wird die Beschäftigung beim Arbeitgeber B jetzt auch – wegen der RV – vollumfänglich und im Sinne der dargestellten Problematik zum Minijob? In dem Fall müsste man beide Minijobs zusammenrechnen und beide wären sv-pflichtig im Übergangsbereich.
Ist das richtig?
In den Richtlinien im Kapitel 2.2.2.2 Geringfügig entlohnte Beschäftigungen neben nicht geringfügiger Beschäftigung habe ich nur den Abschnitt gefunden:

Zu den nicht geringfügigen versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigungen gehören u. a.:
 Beschäftigungen mit Ausnahme in der Rentenversicherung, die im Rahmen der Bestandsschutzregelung nach § 7 Abs. 2 SGB V und § 454 Abs. 2 SGB III der Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung unterliegen (vgl. 7).

Für eine Erklärung bedanke ich mich im Voraus

Ingeborg Huber

Wolfgang Salz
WS
Wolfgang Salz

Guten Tag,
ein Arbeitnehmer (Steuerklasse 1) mit einem Midijob (mit1025,- €) macht sich zusätzlich Selbstständig
Wie wird das dann versteuert.
Welche Steuerklasse
Wie werden die Beiträge für Krankenkasse und Rentenversicherung berechnet

Jaroslava Harčár...
JH
Jaroslava Harčár...

Schönen Tag. Wie gehe ich vor, wenn ich als Minijobber selbstständig arbeiten möchte? So starten Sie diesen Job. Wo soll ich mich überall melden? Freundliche Grusse.. Jara H.