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Mehr Geld im Minijob: Wann darf man über 538 Euro verdienen

Die monatliche Verdienstgrenze im Minijob liegt aktuell bei 538 Euro. Doch was passiert, wenn diese Grenze überschritten wird? In unserem Artikel erklären wir, was Minijobberinnen und Minijobber zum Überschreiten wissen müssen.

Minijob-Verdienstgrenze ist dynamisch

Seit Oktober 2022 ist die Minijob-Grenze dynamisch. Sie ist an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppelt. Die Verdienstgrenze erhöht sich also automatisch, wenn der Mindestlohn steigt.

Der gesetzliche Mindestlohn wurde letztmalig zum 1. Januar 2024 auf 12,41 Euro pro Stunde angehoben. Seitdem liegt die Minijob-Grenze bei 538 Euro im Monat.

Was sonst im Jahr 2024 neu ist, haben wir in unserem Magazin-Artikel Minijobs 2024: Neues Jahr, neue Regeln zusammengefasst.

Wann handelt es sich um einen Minijob mit Verdienstgrenze?

Zu Beginn einer Beschäftigung beurteilen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber anhand des Verdienstes, ob ein Minijob vorliegt. Die Grundlage bildet der voraussichtliche durchschnittliche Verdienst der nächsten zwölf Monate. Anhand der Höhe dieses Verdienstes stellen sie fest, ob überhaupt eine geringfügig entlohnte Beschäftigung vorliegt.

Maximal 538 Euro dürfen Minijobberinnen und Minijobber durchschnittlich im Monat verdienen. Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer also ein Jahr ununterbrochen arbeiten, dürfen sie bis zu 6.456 Euro (12 Monate x 538 Euro) verdienen. Wird der Minijob in weniger als 12 Monaten ausgeübt, muss die Verdienstgrenze entsprechend reduziert werden.

Verdienen Beschäftigte durchschnittlich im Monat mehr als 538 Euro, handelt es sich grundsätzlich nicht um einen Minijob, sondern um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Weitere Informationen zur versicherungsrechtlichen Beurteilung finden Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in unserem Magazin-Artikel Beurteilung für die Sozialversicherung: Was müssen Arbeitgeber wissen?

Schwankender monatlicher Verdienst im Minijob

Auch im Minijob darf die Arbeitszeit von Monat zu Monat etwas variieren. Entsprechend kann auch der monatliche Verdienst unterschiedlich hoch sein. Schwankt der monatliche Verdienst im Minijob, ist es wichtig die jährliche Minijob-Verdienstgrenze einzuhalten. Die Anzahl der monatlichen Überschreitungen oberhalb der Verdienstgrenze von 538 Euro ist dann nicht relevant.

Beispiel
Ein Arbeitnehmer verdient in 8 Monaten jeweils 570 Euro und in den übrigen 4 Monaten jeweils 470 Euro. Sein Jahresverdienst liegt damit bei 6.440 Euro. Die Grenze von 6.456 Euro wird also nicht überschritten. Die Beschäftigung bleibt ein Minijob.

Im Magazin-Artikel Minijob mit Verdienstgrenze – Was zählt alles zum Verdienst? erfahren Sie mehr darüber, was zum Verdienst eines Minijobbers oder einer Minijobberin gerechnet wird.

Gelegentliche und unvorhersehbare Überschreitung

Grundsätzlich gilt: Liegt der durchschnittliche monatliche Verdienst einer Arbeitnehmerin oder eines Arbeitnehmers über 538 Euro, handelt es sich nicht um einen Minijob. Eine Ausnahme gibt es bei unvorhersehbaren Überschreitungen. Unvorhersehbar ist zum Beispiel eine Vertretung bei Krankheit. Saisonale Mehrarbeit ist hingegen vorhersehbar.

Wird die monatliche Verdienstgrenze unvorhersehbar überschritten, dann können Minijobberinnen und Minijobber in bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Jahres mehr als 538 Euro verdienen. Den Jahreszeitraum ermitteln Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber rückwirkend. Beginnend vom Ende des Monats der Überschreitung sind hierzu die letzten 12 Monate zu betrachten.

Maximal 1.076 Euro bei unvorhersehbaren Überschreitungen

Der Verdienst in den Monaten des unvorhersehbaren Überschreitens darf maximal das Doppelte der monatlichen Verdienstgrenze – also 1.076 Euro – betragen. Wenn Minijobberinnen oder Minijobber die Grenze zweimal unvorhersehbar überschreiten, ist somit statt 6.456 Euro ein jährlicher Verdienst von höchstens 7.532 Euro möglich.

Beispiel

Ein Minijobber nimmt zum 1. Januar 2023 eine geringfügige Beschäftigung auf. Die Verdienstgrenze wird monatlich nicht überschritten.

In den Monaten Januar und Februar 2024 erhöht sich sein Verdienst wegen einer Krankheitsvertretung jeweils auf monatlich 1.076 Euro.

Ergebnis

In den Monaten Januar und Februar 2024 liegt ein Minijob vor, da es sich innerhalb des maßgebenden Zwölf-Monats-Zeitraums (1. März 2023 bis 29. Februar 2024) nur um ein gelegentliches (maximal zweimaliges) und unvorhersehbares Überschreiten der Minijob-Grenze handelt. Der monatliche Verdienst hat sich in dem jeweiligen Kalendermonat des Überschreitens maximal auf das Doppelte der Minijob-Grenze (1.076 Euro) erhöht.

 

Fortsetzung des Beispiels

Im März 2024 übernimmt der Minijobber erneut eine Krankheitsvertretung und verdient in diesem Monat ebenfalls 1.076 Euro.

Ergebnis

Im maßgebenden Zeitjahr (1. April 2023 bis 31. März 2024) liegt mit der Krankheitsvertretung im Januar und Februar nunmehr ein weiteres Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze vor.

Das dritte unvorhersehbare Überschreiten im Monat März 2024 ist unzulässig, so dass in diesem Kalendermonat kein Minijob vorliegt. Der Arbeitnehmer muss vom 01.03. bis 31.03.2024 als sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer bei der Krankenkasse gemeldet werden. Ab April 2024 liegt wieder ein Minijob vor, wenn der monatliche Durchschnittsverdienst ab diesem Zeitpunkt die Verdienstgrenze von 538 Euro nicht überschreitet.

Dokumentation in den Entgeltunterlagen

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen den Grund für das gelegentliche unvorhersehbare Überschreiten dokumentieren. In den Entgeltunterlagen des Minijobbers oder der Minijobberin muss der Grund für den Betriebsprüfdienst der Deutschen Rentenversicherung nachvollziehbar sein.

Eine spezielle Form der Dokumentation ist hierbei nicht vorgeschrieben. Sie ist teilweise auch vom Grund des Überschreitens abhängig. Bei einer Krankheitsvertretung sollte beispielsweise in den Entgeltunterlagen des Minijobbers oder der Minijobberin auf die Krankmeldung des oder der zu vertretenden Beschäftigten hingewiesen werden.

Haben Sie Fragen zum Überschreiten der Verdienstgrenze von Minijobs? Dann schreiben Sie diese in die Kommentare. Wir helfen gerne weiter.

Verdienstgrenze Minijob: Ist das Überschreiten erlaubt?

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23 Kommentare

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Heike S
HS
Heike S

Guten Morgen,
es soll eine Minijobberin im Ausland mit Homeoffice im Heimatland angestellt werden.
Wie kann / muss ich sie anmelden?
Vielen Dank

Elvira Schmidt
ES
Elvira Schmidt

Ich bin Vollrentnerin und bekomme noch zusätzlich eine kleine Betriebsrente. Ich kann jetzt halbtags für 4 Monate arbeiten. Wie wird das versteuert ?
zählt das als Minijob ???

Stefanie Sorgenfre...
SS
Stefanie Sorgenfre...

Ich habe einen Hauptjob (40 Stunden) und werde einen Minijob annehmen (10 Stunden). Zusätzlich kommt ein Minijob dazu, bei dem ich einmal im Monat an einem Tag 6 Stunden arbeiten gehe. Bleiben die Minijobs Steuerfrei? Wenn nein, woher weiß ich wieviel mir am Ende von meinem Geld bleibt? Oder gibt es einen Rechner dafür? Bzw. wer kann mir das ausrechnen?

Petra Lieb
PL
Petra Lieb

Was ist, wenn man als Minijobber anteilig Weihnachts-und Urlaubsgeld bekommt?

Ilona Riepenhausen
IR
Ilona Riepenhausen

Hallo,
Ich habe aktuell Probleme mit meinem ehemaligen Arbeitgeber was die Bezahlung angeht.
Ich bin Erwerbsminderungsrentnerin, habe als GfB gearbeitet und aufgrund kranker Kollegen im letzten Jahr Überstunden gemacht. Jetzt habe ich zum 15.1.24 das Arbeitsverhältnis gekündigt, da ich einen anderen Job angenommen habe, und hätte natürlich gerne auch die Überstunden ausgezahlt. Mal abgesehen davon, dass der Arbeitgeber nicht alle Überstunden gezahlt hat, wurden die paar Stunden, die gezahlt wurden über Steuerklasse 6 abgerechnet. Jetzt meine Frage: hätten die mir das Geld auch auszahlen können, ohne es zu versteuern?
Vielen Dank für eine Antwort.

Paul N
PN
Paul N

Hallo,

ich habe in den letzten 12 Monaten (02/23 – 01/24) ∑ 6.795,15 EUR verdient.
Dabei wurde einmal (in 01/24) der monatliche Maximalverdienst überschritten (1.075,90 EUR).
Da ich einmal über der Grenze verdient habe, liegt der erlaubte Jahresmaximalverdienst (02/23 – 01/24) bei 6.796,00 EUR (≙ 11×520 EUR + 1×1.076 EUR) oder?
Insofern sollte ich nach wie vor geringfügig beschägtigt sein und keine Abzüge für 01/24 erhalten oder?

Vorab vielen Dank für eine Antwort und schöne Grüße
Paul

Sabine H.
SH
Sabine H.

Guten Tag,
ich hätte bitte eine Frage zu der Verdienstgrenze. Unser Minijobber verdient mtl. nicht mehr wie die 538 €. Im Juni und im November gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Er überschreitet die 6.456 € nicht.
Nun ist es im Januar passiert, dass er 5,31 € über den 538 € liegt und auf 543,31 € kommt. Wie können wir dies nun handhaben? Kann bzw. muss er für den Monat Januar dann für diesen Monat angemeldet werden? Vielen Dank vorab für Ihre Antwort.

Chris Lehnert
CL
Chris Lehnert

Moin.

Ich gerate grad echt ins Schwitzen.
ALSO: Ich habe ab 15.12.23 einen Minijob angefangen. Also das lief so, dass ich auf eine Anzeige geantwortet habe, und ich dann Eingestellt wurde. Ich gebe Nachhilfe. Ich habe keinen Vertrag unterschrieben o.ä. So wie ich das verstehe bin ich dort nicht von der Rentenversicherung befreit, weil ich keinen Antrag gestellt habe, davon befreit zu werden? Das läuft über eine Einrichtung, nicht Privat.
Ist das Arbeitsverhältnis überhaupt legal?

Ich fange ab 1.04.2024 voraussichtlich an, als Tutor an der Uni zu arbeiten. Das zu erwartende Einkommen muss ich natürlich beim Bafög Amt geltend machen ( ich bekomme den Höchstsatz, nicht Elternunabhängig). Ich werde die Befreiung von der RV beantragen. Was gebe ich denn dann beim Amt für ein Einkommen an? Das Netto, welches ich erhalte? Aber die zahlen doch auch „irgendwas“ (weil es gibt ein Brutto) ?
Jedenfalls werden explizit die Bruttoeinnahmen beim Antrag 1 für Bafög gefordert? (Im Wortlaut: „Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag für Werbungskosten sowie Steuern und Abzüge für soziale Aufwendungen werden von Amts wegen berücksichtigt.“ sowie „Bruttoeinnahmen aus bestehenden oder ruhenden Arbeitsverhältnissen, Gelegenheits-arbeiten, Ferien-, Minijobs“)

Womit rechne ich denn, wenn ich die Minijobobergrenze von 538 Euro nicht reißen soll? Mit dem was ich am Ende bekomme? (z.B. 13€ für eine Nachhilfesitzung). Mit dem Bruttolohn? Und warum hält das BAföG-Amt an der 520€ Grenze fest?

Gruß

PS: Ich studiere weder Jura noch Wirtschaftswissenschaften

Kerstin Knopp
KK
Kerstin Knopp

Ich war innerhalb eines Kalendermonats 9 Tage krank geschrieben. Mit dem Krankengeld würde mein Lohn einmalig mit 3,67 über der Grenze von 538,- liegen. Wie sieht die Regelung dort aus? Darf der Betrag überzahlt werden?

Michael Stawinski
MS
Michael Stawinski

Hallo, wenn ich den Minijob am 01.02.24 beginne und im Juli 24 dann eine Krankheitsvetretung übernehme und 1076 eur verdiene, dann liegt auch kein Minijob mehr vor? Wenn dem so ist, dann wäre der Hinweis sinnvoll, das diese Ausnahmeregelung erstmals im 13. Monat eine Minijobs Arbeitsverhältnisses angewendet werden kann.
Und was ist, wenn ich nach 6 Monaten den einen Minijob aufhöre und einen neuen Minijob annehme, es also keine Unterbrechung gibt. Wird das wie ein einziger Minijob gewertet, wenn die Ausnahmeregel angewendet werden soll?
Was ist, wenn ein erster Minijob 6 Monate geht, dann ein Monat Pause ist und dann ein 2.Minijob angetreten wird. Werden diese Minijobs völlig unabhängg voneinander betrachtet was die Ausnahmeregel angeht?

Danke
Michael Stawinski

Hannelore W.
HW
Hannelore W.

Hallo,
eine Frage, wie sieht es bei 2 Minijobs bei einem Studenten aus.
1. Minjob das ganze Jahr aber schwankend. 2. Minijob ist nur Februar ca 320 Euro.
Darf im Minijob auch etwas mehr verdient werden, wenn es die Jahressumme nicht überschritten wird?

Esau, Roland W.
EW
Esau, Roland W.

Hallo, sehr geehrte Zentrale, Sie sind in Ihrem Artikel nicht auf die Möglichkeit eingegangen, dass der AG z.B. auch einen monatl. Tankgutschein in angemessener, realer Höhe zusätzlich an den Minijobber aushändigen kann (wegen der derzeit überabnormen Preissteigerungen in allen Bereichen). Trotzdem bleibt es dann ein Minijob.! Dieser Fakt wurde mir von der Minijobzentrale und der BA am Telefon mehrfach bestätigt. Es ist aber fast nirgends veröffentlicht ! Besser wäre hier eine allgemeine, öffentliche Klarstellung für alle Jobber und Arbeitgeber !? WIR SIND – ALLE + BITTER – darauf ANGEWIESEN, – dort wo es die Einnahme- und Auftragssituation eines AG erlaubt. Besser und realistischer wäre sogar eine dramatische Erhöhung der Einkommensgrenze, weil die Möglichkeiten es erlauben o. Aufgaben es erfordern würden ( oder 12 % mehr Gehalt UND eine Einmalzahlung v. 3.000€ als Inflationsausgleich, wie in der Berliner Politik und bei BundesBeamten. Das gleiche gilt für die (idR. ostdt.) Mini-Renten ( auch für die jetzt in der Westzone lebenden – idR. nun verarmten Rentner). Hier werden durch die von allen Deutschen erzeugten gesell. Verhältnisse als Kriegsfolge „die DDR“/ und danach „durch allg. Sättigung des Marktes > Arbeitslosigkeit“ aktuell fast ALLE Rentner zu Sozialhilfeempfänger gemacht. Euch versteht keiner mehr !!! Freundlicher Gruss