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Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge – wenn Minijobber aufgrund von Krankheit oder Mutterschutz ausfallen

Auch bei Minijobs kommt es vor, dass die Arbeitszeit Sonn- und Feiertage umfasst. Mitunter arbeiten Minijobber auch nachts. Hierfür erhalten sie sogenannte Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge (SFN-Zuschläge), die auf ihren regulären Verdienst hinzugerechnet werden. Doch was passiert, wenn der Minijobber aufgrund von Krankheit oder Schwangerschaft ausfällt und fortgezahltes Arbeitsentgelt und SFN-Zuschläge die 450-Euro-Grenze überschreiten? Was Arbeitgeber beachten müssen, erklären wir in diesem Beitrag.

Absicherung bei Krankheit oder Mutterschutz

Schwangere Minijobberinnen, die ein Beschäftigungsverbot erhalten haben, dürfen ihre Tätigkeit nicht mehr ausführen. Genauso verhält es sich bei einer Arbeitsunfähigkeit – die Arbeit muss warten. Arbeitgeber müssen in diesen Fällen weiterhin Lohn zahlen, so sieht es das Gesetz vor.

Positiv für Minijobber: Da sie für die Ausfallzeiten ihren Verdienst weiterhin erhalten, können sie unbesorgt gesund werden oder sich auf den Nachwuchs freuen. Die Entgeltfortzahlung beinhaltet dabei auch die SFN-Zuschläge.

Positiv für Arbeitgeber: Arbeitgeber können sich die Aufwendungen bei Krankheit (Umlageverfahren U1) zu einem Großteil und die Aufwendungen bei Mutterschaft (Umlageverfahren U2) sogar vollständig von der Arbeitgeberversicherung der Knappschaft-Bahn-See erstatten lassen – SFN-Zuschläge gehören dazu.

SFN-Zuschläge: steuerpflichtig oder steuerfrei?

Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit sind grundsätzlich bis zu bestimmten Höchstbeträgen steuer- und beitragsfrei. Für die Entgeltfortzahlung von SFN-Zuschlägen im Falle von Krankheit und Mutterschaft sieht das Steuerrecht allerdings keine Steuerfreiheit vor.

Warum ist das so? Mit den SFN-Zuschlägen soll die Arbeitsleistung an Sonn- und Feiertagen oder in den Nächten besonders vergütet werden. Fallen Minijobber aufgrund von Krankheit oder durch ein Beschäftigungsverbot aus, liegt keine tatsächliche Arbeitsleistung vor. Die Zuschläge werden steuerpflichtig.

Weiterhin Minijob – auch bei Überschreiten der 520-Euro-Grenze

Werden steuerpflichtige SFN-Zuschläge bei Krankheit oder Mutterschaft weitergezahlt, wirkt sich das nicht auf den Status des Minijobbers aus. Das gilt auch, wenn dabei die 520-Euro-Grenze überschritten wird.

Das bedeutet:

  • Arbeitgeber müssen von dem höheren Verdienst lediglich die für Minijobs mit Verdienstgrenze üblichen Abgaben (Pauschalbeiträge, Umlagen, Steuern) zahlen.
  • Minijobber sind weiterhin Minijobber.

Beispiel:

Arbeitgeber Kai ist Inhaber einer Großbäckerei und beschäftigt Sandra als Minijobberin mit Verdienstgrenze. Ihre Arbeit erfordert es, dass sie regelmäßig nachts arbeitet. Hierfür erhält sie SFN-Zuschläge in Höhe von 50 Euro, die ihrem Lohn zugerechnet werden.

Lohn: 520 Euro
SFN-Zuschläge 50 Euro (steuerfrei)
Verdienst Sandra: 570 Euro
Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt: 520 Euro

Für Arbeitgeber Kai sind die SFN-Zuschläge in dieser Höhe steuer- und beitragsfrei. Das beitragspflichtige Arbeitsentgelt bleibt somit bei 520 Euro.

Sandra erwartet nun ein Kind und fällt aufgrund eines Beschäftigungsverbots aus. Kai ist als Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Verdienst weiter zu zahlen – samt den SFN-Zuschlägen. Da Sandra die Arbeitsleistung nicht erbringt, wird der SFN-Zuschlag von 50 Euro steuer- und beitragspflichtig. Hier tritt nun die Sonderregelung bei Mutterschutz und Krankheit in Kraft. Bedeutet: Obwohl die Obergrenze von 520-Euro überschritten wird, bleibt Sandra Minijobberin und Kai zahlt als Arbeitgeber die üblichen Abgaben von 570 Euro.

Wichtig:

Das gilt nicht bei Urlaub des Minijobbers. Diesen muss der Arbeitgeber bei der Jahresplanung bereits berücksichtigen. Um den Status des Minijobbers aufrecht zu erhalten, muss hierbei die 520-Euro-Grenze beachtet werden.

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Marcel
MA
Marcel

Guten Tag, ich habe 2 Probleme bei dieser Thematik, ich bin minijobber 450 euro, die vollzeitbeschäftigten in meinem unternehmen bekommen SFN Zuschläge die, wie der Arbeitgeber betont er ja freiwillig zahlt, mit verwehrt er diese Zuschläge da ich ja noch woanders voll zeit angestellt bin, laut meinen Informationen darf er das nicht da er mich damit nach § 4 I 1 TzBfG ja „diskriminiert“. Wenn er sich weiter weigert werde ich wohl zum Arbeitsgericht gehen müssen was sich bei der offenen summe ja kaum lohnen würde. Gibt es sonst noch irgendwo unterstützen die ich in Anspruch nehmen kann ?
Mit freundlichen Grüße
Bleiben sie Gesund

Ernst Knoch
EK
Ernst Knoch

Hallo,meine Vollzeit beschäftigen Kollegen erhalten SFN Zuschläge.Wir Minijobber nicht.Ich bin der Meinung:Erhalten Vollzeit Beschäftige die SFN-Zuschläge,müssen sie auch den Minijobbern bezahlt werden.Ist dem so?

C. Hartmann
CH
C. Hartmann

Sind Sonntags-, Feiertags- und/oder Nachtzuschläge in den 450 EUR-Betrag einer GfB-Kraft zu inkludieren? Oder zählen sie nicht zu dem Bruttolohn?

Georges
GE
Georges

Hallo,
ich hätte gerne eine Frage. Ich habe ein Minijob am 15.03.2021 angefangen. Liegt weiterhin bei mir auch die max. Grenze bei 5400 Euro oder werden Januar, Februar und den halben März davon abgezogen? Falls ja, was wird die max. Grenze sein?
Danke und Grüße,

Johannes Wallner
JW
Johannes Wallner

Hallo, ich habe seit 06.2021 einen nebenjob auf der 450 eur basis. Allerdings werden meine geleisteten nachtzuschläge auf das normale gehalt dazugerechnet so dass ich die hälfte nun an sozialversicherungsabzüge verliere ist das rechtens oder kann man da irgendetwas dagegen machen?

Angelika
AN
Angelika

Hallo,
kann der AG dem Minijobber die Zuschläge nicht zahlen und dem festen Personal schon?

Komble
KO
Komble

Hallo. Ich möchte als Pflegefachkraft 2-3 Nächte auf Minijob-Basis machen. Natürlich Bruttogrenze wird bei 450€ sein da Minijob aber durch Nachtzuschläge komme ich auf weit mehr als 450€. Natürlich wird alles im grünen Bereich sein: Stundenlohn unter 25€ und Nachtzuschläge maximal 25% zwischen 20:00 und 00:00 sowie zwischen 04:00 und 06:00 Uhr und maximal 40% zwischen 00:00 und 04:00 Uhr. Nehmen wir an, ich werde 550€ monatlich erhalten: 450€ Monatsbrutto und 100€ Nachtzuschlag. Bis hin zu meiner Urlaubsentgelt ist mir alles klar aber wenn es zu Urlaub kommt, was soll mein Arbeitgeber mir zahlen, damit ich meinen Minijobler-Status nicht verliere und und auch eventuell rückwirkend als beitragspflichtig erklärt werde??? Zahlt mein Arbeitgeber während meines Urlaubs nur 450 Euro, entsteht Problem von Phantomlohn – Ergebniss: ich bin Beitragspflichtig! Zahlt mein Arbeitgeber 550 Euro während meines Urlaubs, Nachtarbeit ist nicht tatsächlich nicht geleistet und da ich mehr als 450€ erhalte, werde ich wiederum als Beitragspflichtig erklärt. Wo ist die Lösung? Was ist Ausweg von diese Sackgasse? Bitte um Vorschlag einer Lösung! Kann ich beim Vertragsabschluss einfach auf Zuschläge während meines Urlaubs schriftlich verzichten??? In diesem Fall würde Arbeitgeber begründet nur 450€ mir während meines Urlaubs zahlen und mein schriftliches schreiben im Hand haben, dass ich auf Zuschläge explizit während meiner Urlaub verzichtet habe… Wäre das eine gute Lösung?

Marc
MA
Marc

Einen schönen guten Tag,
mich würde interessieren wie sich die Situation bei einem ALG 2 Empfänger der einen 450 € Job nachgeht, im Bezug auf die Anrechnung von Wochendzuschlägen gestaltet. Werden diese Zuschläge und der damit einhergehende Mehrverdienst ebenfalls zu 80% angerechnet oder gilt hier weiterhin das lediglich 280€ der 450 € angerechnet werden?