3 min Lesezeit

6 Kommentare

Urlaubsgeld im Minijob – Tipps für Minijobber und Arbeitgeber

Viele Beschäftigte erhalten im Sommer zusätzlich zu ihrem monatlichen Verdienst ein Urlaubsgeld. Ob und wie sich eine solche Zahlung auf einen Minijob auswirkt, erklären wir in diesem Beitrag.

Bekommt man im Minijob auch Urlaubsgeld?

Eines vorab: Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und damit auch Minijobber nicht. Allerdings kann die Zahlung eines Urlaubsgeldes in einem Tarifvertrag, einer betrieblichen Regelung oder auch arbeitsvertraglich vereinbart sein.

Für Minijobberinnen und Minijobber gilt dann der Grundsatz der Gleichbehandlung: Sie haben die gleichen Rechte wie ihre vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Bekommen diese ein Urlaubsgeld gezahlt, haben auch die Minijobberinnen und Minijobber einen Anspruch auf Urlaubsgeld.

Wie viel Urlaubsgeld bekommt man im Minijob?

In der Regel erhalten nicht alle Beschäftigten einen gleich hohen Betrag als Urlaubsgeld ausgezahlt. Wie viel Urlaubsgeld man bekommt, hängt meist von dem Verhältnis der tatsächlichen Arbeitszeit zur tariflichen Arbeitszeit ab. Auch für die Minijobberinnen und Minijobber gilt also: Das Urlaubsgeld wird nur anteilig – gemessen an den Arbeitsstunden – ausgezahlt. Die Höhe des Urlaubsgeldes kann aber auch unabhängig von den Arbeitsstunden vertraglich vereinbart werden.

Wann zählen Einmalzahlungen zum Verdienst?

Einmalzahlungen sind Zahlungen, die aus einem bestimmten Anlass, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder als einmalige Anerkennung gezahlt werden. Sie sind nicht monatlich zu erwarten und werden häufig im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt.

Jährlich wiederkehrende Zuwendungen müssen vom Arbeitgeber beim regelmäßigen Verdienst berücksichtigt werden. Ermitteln Arbeitgeber den regelmäßigen Verdienst, müssen sie alle zum Zeitpunkt der Berechnung feststehenden Zahlungen beachten.

Einmalzahlungen wie Jubiläumszuwendungen oder Prämien für Verbesserungsvorschläge zählen nicht zum regelmäßigen Verdienst. Dieses sind keine jährlich wiederkehrenden Zahlungen.

Anders sieht es aber beim Urlaubgeld aus: Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld oder auch Weihnachtsgeld sind in der Regel einmal jährlich zu erwarten. Sie müssen zum Verdienst hinzugerechnet werden.

Verdienstgrenze im Minijob – Urlaubsgeld zählt zum Verdienst

Ein Minijob liegt vor, wenn der regelmäßige monatliche Verdienst nicht mehr als 538 Euro beträgt. Die jährliche Verdienstgrenze liegt somit bei 6.456 Euro. Wird diese Grenze überschritten, handelt es sich nicht mehr um einen Minijob, sondern um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.

Der regelmäßige monatliche Verdienst ist vom Arbeitgeber zu Beginn der Beschäftigung zu ermitteln. Hierbei hat er alle in der Beschäftigung mit hinreichender Sicherheit zu erwartenden laufenden und einmaligen Zahlungen zu berücksichtigen, also auch das vertraglich vereinbarte Urlaubsgeld.

Beispiele für die Bewertung von Urlaubsgeld

Beispiel A
Arbeitnehmer A verdient 510 Euro im Monat und erhält ein zusätzliches Urlaubsgeld in Höhe von 750 Euro im Juli eines jeden Jahres. Es handelt sich um ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Der Arbeitgeber muss folgende Berechnung vornehmen:

Summe des monatlichen Verdienstes: 510 Euro x 12 Monate = 6.120 Euro

Berücksichtigung der Einmalzahlung: 6.120 Euro + 750 Euro = 6.870 Euro

Das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt beträgt 572,50 Euro (6.870 Euro / 12 Monate).

Da die monatliche Verdienstgrenze von 538 Euro überschritten wird, liegt bereits ab Beginn kein Minijob, sondern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer A bei der Krankenkasse anmelden.

Beispiel B
Arbeitnehmer B verdient 500 Euro im Monat und erhält ein zusätzliches Urlaubsgeld in Höhe von 400 Euro im Juli eines jeden Jahres. Es handelt sich um ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Der Arbeitgeber muss folgende Berechnung vornehmen:

Summe des monatlichen Verdienstes: 500 Euro x 12 Monate = 6.000 Euro

Berücksichtigung der Einmalzahlung: 6.000 Euro + 400 Euro = 6.400 Euro

Das regelmäßige monatlich Arbeitsentgelt beträgt 533,33 Euro (6.400 Euro /12 Monate).

Da die monatliche Verdienstgrenze von 538 Euro nicht überschritten wird, liegt ein Minijob vor. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer B bei der Minijob-Zentrale anmelden.

Beitragsverfahren – Wie Arbeitgeber Urlaubsgeld einfach verbeitragen

Grundsätzlich werden Einmalzahlungen – wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld – in einer laufenden Beschäftigung dem Monat der Auszahlung zugeordnet. Diese werden zum aktuellen Beitragsnachweis dazu addiert.

Haben Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber einen Dauer-Beitragsnachweis eingereicht, können sie einfach einen zusätzlichen Beitragsnachweis für den Monat der Auszahlung übermitteln. Über unser Kontaktformular oder telefonisch können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den Hinweis geben, dass der übermittelte Einzelnachweis zusätzlich zum bestehenden Dauer-Beitragsnachweis für den entsprechenden Monat gelten soll. Der bestehende Dauer-Beitragsnachweis wird dann weiterhin monatlich verbucht.

Hinweis: In einem Minijob fallen für Einmalzahlungen die gleichen Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung, die Insolvenzgeldumlage und Pauschsteuer an, welche auch für den laufenden Verdienst zu zahlen sind. Die Umlagen U1 und U2 sind für Einmalzahlungen jedoch nicht zu berechnen.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch gern unseren Magazinartikel Einmalzahlungen im Minijob – Was zu beachten ist.

Ihre Meinung zählt!

Auch einmalig gezahltes Arbeitsentgelt kann sich auf die Verdienstgrenze im Minijob auswirken, wenn es vertraglich zugesichert und wiederkehrend ist. Arbeitgeber und Minijobber sollten daher genau prüfen, ob und wie eine solche Zahlung berücksichtigt werden muss.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema? Schreiben Sie uns gerne in die Kommentare. Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

War der Artikel hilfreich für Sie?

Hilfe und Kontakt

Sie konnten bei uns bisher keine passende Antwort finden und haben weiterhin Fragen? Dann schreiben Sie uns diese in den Kommentarbereich.

Das könnte Sie auch interessieren

6 Kommentare

guest
Inline Feedbacks
View all comments
Bernd Zeitz
BZ
Bernd Zeitz

Sehr geehrtes Team der Minijob-Zentrale, ich habe eine Frage hinsichtlich Überschreitung des Rabattfreibetrages in Höhe von 1.080,00€. Unsere geringfügig Beschäftigte hat ein monatliches Entgelt in Höhe von 242,00€. Durch einen vergünstigten Kaufes eines Firmenproduktes wird der Rabattfreibetrag in Höhe von 700,00€ überschrittene und muss als Geldwerter Vorteil abgerechnet werden. Jetzt meine Frage, kann ich in diesem Fall die Durchschnittsberechnung 242,00€ x 12 Monate plus 700,00€ /12 Monate mit einem Durchschnittsverdienst von 300,33€ ansetzen und somit weiterhin die GfB-Grenze nicht überschreite. Oder ist dies als monatliches Entgelt zu bewerten, dann wird es problematisch?

P. Lange
PL
P. Lange

Liebes Team der Minijob-Zentrale,
verstehe ich es richtig, dass ich einem geringfügig Beschäftigten zum 10jährigen Firmenjubiläum einen € 100 Gutschein schenken darf, ohne dass es den Minijob-Status gefährdet? Kann ich den Gutschein pauschalversteuern (bei einem Wert von € 100)?
Freundliche Grüße

Angelika Kn
AK
Angelika Kn

Hallo, wie sieht es mit Prämien aus? Bei uns bekommen alle Mitarbeitenden eine Jahresprämie, die sich an der Bilanz des Vorjahres orientiert. Es steht bei Vertragsbeginn bereits fest, dass es eine Prämie gibt. Die Höhe wird allerdings erst mit Jahresabschluss berechnet. Zählt das bei Minijobbern zum Verdienst und wird somit sv-pflichtig (da es über 538€ kommt) oder zählt es als unregelmäßigen Zusatz zum Verdienst, der den Status Minijob nicht berührt?